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Mafia-Roman: Cosa Nostra,Cose mie
eine sizilianische Schutzgeldaffäre
Rezensionen

Rüsselsheimer Echo vom 15.04.2009

 

Die Mafia vergällt den Traum
Bücher: Kerstin Buttà erzählt in ihrem Roman von einer Gastwirtsfamilie in den Fängen sizilianischer Schutzgelderpresser

Es ist der Lebenstraum von Claudio und Klara, in Sizilien, Claudios Heimat, ein Restaurant zu eröffnen. Claudio hat sich in ein verlassenes Haus in der Nähe Catanias verliebt, das ihm als Standort wie geschaffen erscheint. Doch schon in der Umbauphase schleichen fremde Männer um das Anwesen und behalten den Baufortschritt im Auge. Und kaum ist das „L’Olivo“ eröffnet, klingelt das Telefon und die Cosa Nostra, die sizilianische Mafia, fordert Schutzgeld und vergällt mit ihren Drohungen mehr und mehr den Traum und die Freude an dieser wunderschönen Insel.

Von Claudios und Klaras Jahren in Sizilien handelt der erste Roman der Rüsselsheimerin Kerstin Buttà, der jetzt im Projekte-Verlag Cornelius erschienen ist. „Cosa Nostra – Cose mie“ lautet der Titel, was etwa mit „Cosa Nostra – meine Angelegenheit“ übersetzt werden kann. Die Mafia ist Angelegenheit eines jeden, der auf Sizilien lebt, „man ist mittendrin, jederzeit damit konfrontiert“, sagt Kerstin Buttà und fügt nachdenklich hinzu: „Irgendwann gewöhnt man sich fast dran.“

Sie selbst betrieb viele Jahre mit ihrem Mann zusammen Gaststätten in Rüsselsheim: „Pippo“ in Haßloch-Nord, „Al Cortile“ am Mozartplatz, die „Alte Schmiede“ in Bauschheim. Und wie Claudio und Klara führte auch das Ehepaar Buttà ein Restaurant in Sizilien, in der Zeit, in der die Staatsanwälte Giovanni Falcone und Paolo Borsellino Jagd auf die Mafiabosse machten und dafür mit ihrem Leben bezahlten. Ist die Geschichte Klaras ihre eigene? „Diese Geschichte kann sich überall in Sizilien so zugetragen haben, und die Personen sind fiktiv“, hält sich die 1953 geborene und in Schwanheim bei Frankfurt aufgewachsene Autorin bedeckt.

In Claudios und Klaras Restaurant jedenfalls baut die Mafia immer größeren Druck auf, mal wird eingebrochen und das Lebensmittellager geplündert, mal gehen die Pizzakartons in Flammen auf, mal verschwinden die geliebten Katzen. Dann wiederum schweigt das Telefon tagelang und Claudio und Klara hoffen schon, dass nun vielleicht endlich Ruhe sei und der anonyme Anrufer, dem Claudio den Namen Pino gibt, nun endlich begriffen hat, dass er keinen Heller zu erwarten hat. Doch die Mafia lässt nicht locker. „Die sind wie das Efeu im Garten. Da glaubt man, man hat es entfernt, und an irgendeiner anderen Stelle kommen dann wieder die Triebe zum Vorschein“, stellt die zunehmend vom Heimweh geplagte Klara fest.

Vor 13 Jahren begann Kerstin Buttà mit dem Schreiben, zunächst nur für sich selbst, wie sie sagt. Ein Dozent der Philologischen Fakultät der Uni Mainz und Gast ihrer Pizzeria bekam das Manuskript zu lesen und ermunterte sie, sich nach einem Verlag umzusehen.

Kerstin Buttà erzählt spannend, dringt tief ein in die sizilianische Volksseele und in die Strukturen der „ehrenwerten Gesellschaft“. Sie spricht den Leser unbekümmert direkt an, als habe sie ein Tagebuch für ihn ganz persönlich verfasst mit Schilderungen voller Zuneigung zu dieser Insel vor der Stiefelspitze Italiens, ihrem geheimnisvollen „Vulkano buono“, dem Ätna, zu den Menschen und ihrer Kultur – vor allem ihrer Küche. So erfährt der Leser so präzise wie aus einem Kochbuch, wie man zum Beispiel Osso buco zubereitet, ein typisch sizilianisches Kalbfleischgericht. Gerne hätte sie auch ein sizilianisches Kochbuch geschrieben, erzählt Kerstin Buttà.                                                                                                                  rea



Main-Spitze vom 25.02.2009
Aus Kochbuch wird ein Krimi

Kerstin Buttà veröffentlicht ersten Roman "Cosa Nostra, Cose mie"

 Von

Karina Merten

RÜSSELSHEIM. Wie mächtig die Mafia ist und wie sehr sie das malerische Sizilien in ihrer Gewalt hat, musste jetzt eine Rüsselsheimerin feststellen, die mit ihrem sizilianischen Ehemann am Fuße des Etna ein Restaurant eröffnete. Kurz nach der erfolgreichen Einweihung des "L´Olivo" meldete sich schon "die Familie" und wollte ihren Anteil am Gewinn. Mutig jedoch widersetzte sich das deutsch-sizilianische Paar den Mafiosi, was nicht ohne Folgen blieb.

Doch keine Bange, liebe Rüsselsheimer, die Erlebnisse des Ehepaars Klara und Claudio sind nur Fiktion. Entsprungen ist die spannende Geschichte der Feder der Rüsselsheimer Autorin Kerstin Buttà. In ihrem Erstlingswerk, "Cosa Nostra, Cose mie. Eine sizilianische Schutzgeldaffäre", überzeugt die Schriftstellerin mit einer leichten und zugleich charmanten Erzählweise.

Ursprünglich wollte sie ein traditionell-sizilianisches Kochbuch schreiben, erklärte Buttà im Interview mit der "Main-Spitze", doch "davon gibt es schon so viele, da wäre meines vielleicht untergegangen", überlegte die Autorin. Und so beschloss sie, in die krimihafte Geschichte der mutigen Klara und ihres Claudio Rezepte einfließen zu lassen. So begegnen dem Leser im Verlauf des Romans Kochanleitungen, die so gekonnt in den Handlungsverlauf eingeflochten sind, dass man ganz nebenbei in die sizilianische Küche eingeführt wird.

Kerstin Buttàs Leidenschaft für Sizilien kommt nicht von ungefähr, sie ist selbst mit einem Sizilianer verheiratet und lebt zeitweise auf der Insel des Etna. Wie ihre Protagonisten, so führte auch das Ehepaar Buttà in Rüsselsheim (die ehemalige Pizzeria "Pippo" und das "Al Cortile"), Bauschheim, Frankfurt, Mainz und in Italien Restaurants.

Die Frage drängt sich auf, ob auch die Buttàs in Italien mit der Mafia zu kämpfen hatten? Die Autorin hält sich bedeckt und gibt lächelnd zu, dass das Buch tatsächlich autobiographische Züge trage, mehr jedoch nicht.

Für 22,50 Euro darf der Leser eine mitreißende Geschichte erwarten, in der der Erzähler gekonnt die Zwiespältigkeit der sizilianischen Lebensweise vermittelt bekommt. Auf der einen Seite steht das herzliche, das warme und genießerische Sizilien, auf der anderen Seite das Sizilien der Mafia, mit den Erpressungen, Drohungen und der Angst. Genau wie der Etna, so hat eben auch das sizilianische Leben zwei Gesichter.

Kerstin Buttà charakterisiert ihr im "Projekte Verlag" erschienenes Erstlingswerk mit dem Satz: "Es ist eine Liebeserklärung an Sizilien", in der sie ihre zweite Heimat aber bewusst auch kritisch betrachtet. Seite für Seite erfährt der Leser Spannung und pure sizilianische Leidenschaft, die sofort Lust auf einen Sizilienurlaub macht.

 

 

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