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Mafia-Roman: Cosa Nostra,Cose mie
eine sizilianische Schutzgeldaffäre
Leseprobe


Seite 1

Das Telefon klingelte.

Es war der 15. Mai 1998

Klara und Claudio saßen gerade beim Kaffee und bereiteten sich auf die Arbeit für den Abend vor. Sie bewirtschafteten ein kleines italienisches Restaurant mit Spezialitäten aus der sizilianischen Küche.

Klara hatte sich auf die Zubereitung von Speisen aus Sizilien spezialisiert, denn sie hatte mit ihrem Mann lange auf der Insel gelebt und dort stets in die Kochtöpfe anderer Leute geschaut. Sie war davon begeistert, wie einfach, aber trotzdem sehr schmackhaft, diese Küche ist.

 Claudio erhob sich, nicht ohne seinem Unmut durch einen tiefen Seufzer Ausdruck zu verleihen, und nahm den Hörer ab. Er wollte in seiner Mittagspause, die für einen Gastronomen zwischen 15 und 16 Uhr liegt, nicht gestört werden. Klara schaute währenddessen aus dem Fenster und sah mit Freude einem Vogel zu, der sich gerade in einer aufgestellten Vogeltränke die Federn benetzte. Sie konnte auch das Zwitschern hören, denn es war für diese Jahreszeit relativ warm, und alle Fenster standen offen. Ihre Entspanntheit nahm jedoch ein abruptes Ende. Sie hörte wie ihr Mann  dem Teilnehmer am anderen Ende der Leitung auf sizilianisch antwortete. Es war aber nicht dieses wohlklingende, lustige und vor allem laute Sizilianisch. Nein, es war dieses leise, kaum wahrnehmbare; wohl überlegt, mit einem gewissen Unterton und sehr bestimmend.

 (Haben Sie den Film „Der Pate“ gesehen? Erinnern Sie sich an Marlon Brando…) Es war dieses antike Sizilianisch, das Sizilianisch der Mafia.

Klara hörte jetzt genauer zu. Sie wusste, dass die Vergangenheit, die Jahre auf Sizilien, sie nie loslassen würden. Eigentlich wollte sie auf den Knopf des Lautsprechers drücken, aber Claudio hielt sie davon ab. Also blieb ihr nichts anderes übrig als einfach nur zuzuhören.

 

„...von wem haben Sie meine Telefonnummer?  ..., von meiner Schwester!?..., Nein, ich werde nicht kommen! ..., Ich habe nichts zu sagen..., eine Vorladung? ..., Wie stellen Sie sich das vor!?..., Ich habe keine Anzeige gegen ihn erstattet...,  Sie können mir nicht drohen... das haben schon ganz andere versucht..., zwingen können Sie mich zu gar nichts,.....das werden wir ja sehen,....Marco, was habe ich mit dem zu tun .., das werden wir ja sehen..., da kann jeder anrufen und sagen, dass er der Rechtsanwalt von Marco ist.... .“

 Claudio legt den Hörer auf. Klara fröstelte es.

 „Wer war das?“, wollte sie sofort wissen. Claudio schien zu überlegen, ob er ihr die ganze Wahrheit sagen soll, sein Blick aber verriet, dass er wusste, dass sie nicht lockerlassen würde, bis er alles berichtet hätte.

Er holte tief Luft, setzte sich neben seine Frau und fing an zu erzählen.

Klara aber konnte sich nun nicht mehr auf seine Worte konzentrieren und  ihre Gedanken gingen zurück in die  Zeit als alles anfing- das mit der Mafia und der  Schutzgelderpressung.

Im Mai 1991 verließen sie Deutschland, nachdem sie in Rüsselsheim ein gut gehendes Restaurant verkauft hatten und in Sizilien ein neues Leben anfangen wollten.  .......


Seite 17

Die Zeit verging, und Claudio schaute sich einige Objekte an. Es dauerte lange, bis er das Richtige finden sollte. Er wollte ein Restaurant eröffnen, was sich von allen anderen durch seine Schönheit, Originalität und Extravaganz hervorheben sollte.  .....


Seite 19

Claudio entdeckte bei seinen alltäglichen Rundfahrten durch die Gegend ein altes, heruntergekommenes Haus. Es lag an einer großes Kreuzung mitten in der Stadt, jedoch etwas abseits vom Trubel und der Hektik. Hier liefen fast alle Straßen vorbei, die aus den umliegenden Dörfern in die Innenstadt führten. Der Verputz war gänzlich abgeblättert, und nur an einigen Stellen konnte man noch die altrose Farbe des alten Anstrichs erkennen. Er hielt sofort an und betrachtete sich das Haus von allen ihm zugänglichen Seiten. Ein großer Hof befand sich links neben dem Gebäude, der durch eine Mauer mit einem darüber befindlichen Zaun von der Straße abgetrennt war. Das Haus hatte einige zugemauerte Fenster, und die Eingangstür war noch aus altem Holz. Man hätte sie eigentlich mit den Füßen ganz leicht eintreten können, so vermodert und verkommen war sie.

Claudio versuchte am Gartentor die Klinke herunterzudrücken, nach einigen Versuchen gab das Schloss nach und das Tor ließ sich öffnen.

Er trat in den Garten, der von Efeu und anderem Gestrüpp gänzlich überwuchert war. Der Lärm des Straßenverkehrs war wie weggefegt. Hier herrschte eine märchenhafte Stille. Vogelgezwitscher, eine Katze kreuzte seinen Weg, und der Duft von wildem Fenchel ließ ihn in eine andere Welt eintauchen. Ein kleiner, mit alten Steinen gepflasterte Weg führte ihn direkt zu einer Tür, die sich an der hinteren Seite des Hauses befand. Sie ließ sich leicht öffnen, und Claudio trat langsam und vorsichtig ein.

Es roch vermodert, aber auch nach Kindheit. Ihn überkam die Erinnerung an seine Jugend, an die Zeit, die er bei seiner Tante während der Weinlese auf dem Lande verbracht hatte....

"Ich muss erfahren, wem dieses Haus gehört."

Seite 62
Sie schaute, als sie wieder aus dem Badezimmer kam, auf die Uhr und beschloss, noch ein wenig wach zu bleiben. Sie zog sich den Bademantel über, nahm sich noch eine Zigarette und trat hinaus auf die Terrasse.
Während sie dem Schauspiel, das ihr ihr Vulcano cattivo immer noch gab, zusah, hörte sie ein Knacken hinter dem Zaun, der ihren Garten umrandete. Zuerst dachte sie sich nicht viel dabei, denn auf dem verlassenen Grundstück sah sie schon öfters herumstreunende Hunde, denen sie auch oftmals Fressen hinstellte. Als sich das Knacken aber mehrere Male wiederholte, schaltete sie die Garten- und Hofbeleuchtung ein.
Durch das Licht, welches auch das benachbarte Grundstück am Rande erhellte, sah sie mehrere Schatten durch die Dunkelheit huschen.
Ihr fiel fast die Zigarette vor Schreck aus der Hand, sie legte sie in den Aschenbecher und zog sich sofort ins Haus zurück. Dabei schloss sie schnell die äußere Holztür und verschloss das Gitter. Was sollte sie jetzt machen? Claudio wecken? Nein. Die Polizei anrufen? Vielleicht! Oder einfach alle Lichter in der Wohnung ausmachen? Sie entschied sich für Letzteres. Durch die Dunkelheit geschützt, schaute sie durch die Lamellen der Holztür, die sie etwas verstellte. Sie hatte die Außenbeleuchtung angelassen, damit sie sehen konnte, wenn jemand auf ihr Grundstück eindrang.
Sie hatte das Telefon neben sich gestellt, für den Fall, dass es doch nötig war, die Polizei zu rufen. Regungslos stand sie hinter dem Gitter, kaum atmend, als sich ihr von hinten eine Hand auf die Schulter legte.
Sie schrie auf, drehte sich um, und……

Seite 92
„Hattest Du noch Probleme im Geschäft?“
Claudio antwortete: „Ich komme gleich“, und ging ins Haus.
Claudio schob anschließend einen Stuhl neben seine Frau, als er mit einem Glas Wein zurückkam.
„Nun erzähl mal“, sagte Klara und dachte weiter: „Sicherlich wieder Ärger mit seiner Schwester.“
„Als ich das Ristorante zuschließen wollte, bemerkte ich neben dem Eingang einen Kanister. Er war bis zum Rande gefüllt mit Benzin.“
Klara schaute Claudio mit weit aufgerissenen Augen an.
„Was hast Du damit gemacht“, fragte sie, weil sie nicht verstand, was dies bedeuten sollte.
Claudio erzählte weiter:“ Ich habe die Carabinieri angerufen. Sie sind gekommen, haben den Kanister mitgenommen und gesagt, dass ich morgen in die Kaserne kommen soll.“
Klara schaute ihn immer noch verwundert an, denn sie erkannte die ganze Situation immer noch nicht.
„Das ist die erste Warnung“, sagte Claudio.
Er versuchte Klara zu erklären, dass dies ein Einschüchterungsversuch war. Es soll heißen: ‚wenn Du nicht bezahlst, geht Dein Lokal in die Luft.'

Seite 201
Tags darauf verabschiedete sich Claudio bei Klara gegen halb eins. Er lies sie glauben, dass er auf dem Fischmarkt ging, um das Mittagsessen einzukaufen.
Er fuhr mit dem Auto in das Altstadtviertel, in dem sich der Fischmarkt befand. Claudio fuhr durch eine der vier kleinen Gassen, die dort hinführten, und sah an jeder der vier Ecken einen Picciotto stehen. Sie standen dort wie ganz zufällig. Einer saß auf einem Motorroller, der Zweite las im Stehen „La Sicilia“, der Dritte tat so, als telefonierte er, und der Vierte lehnte an einer Hauswand und genoss die Mittagssonne.
Alle vier hatten Sonnenbrillen auf, damit man ihre Blicke, die garantiert alle auf Claudio gerichtet waren, nicht sehen konnte. So hielten sie den Fischmarkt unter Kontrolle, und, sollte hinter Claudio eventuell noch eine andere Person auftauchen, die ihnen suspekt vorkommen würde, könnten sie sich untereinander ein Zeichen geben. Claudio hätte ja auch die Polizei mitbringen können.
Marco wartete schon am Kiosk, der sich in der Mitte des Fischmarktes befand. Claudio hatte keine Mühe einen Parkplatz zu finden, denn der Markt leerte sich langsam, und die Fischverkäufer waren dabei, ihre Stände abzubauen.
Nachdem Claudio ausgestiegen war, begrüßten sich die beiden mit Handschlag und Marco tätigte einen Anruf.
„Tutto a posto, puoi venire“, sagte Marco, um dem Angerufenen zu verstehen zu geben, dass die Luft rein war.
Nach drei Minuten sah Claudio einen Mann auf sich zukommen, der etwas kleiner war als Marco. Er trug eine schwarze Jeanshose und ein weißes Poloshirt und wirkte sehr unscheinbar. Er hieß Sebastiano, Rufname Sebbi.
Nachdem sie sich gegenseitig vorgestellt hatte, zeigte Claudio mit der rechten Hand auf die vier Picciottis und sagte: “Das war aber nicht nötig. Ich bin ein Mann der sein Wort hält. Wenn ich sage, dass ich alleine komme, dann tue ich das auch. OK?“
Sebbi ging nicht weiter darauf ein und sagte sofort: “Wir müssen die Angelegenheit nun ein für alle mal klären. Die Familie will von Dir fünf Millionen Lire. Die Unkosten, die wir hatten, müssen bezahlt werden.“
Claudio daraufhin etwas genervt: „Ihr habt genug aus dem L'Olivo herausgeholt. Das müsste eigentlich reichen.“
Sebbi antwortete, genau wie Pino am Telefon: „Wie meinst Du das?“ und Claudio antwortete:
„Stell Dich nicht so dumm wie Pino.“
Sebbi wurde nervös. Er spielte mit seinem Autoschlüssel und ließ ihn dabei fallen. Während er sich bückte, um ihn aufzuheben, war sein Blick immer noch auf Claudio gerichtet.
„Du brauchst vor mir keine Angst zu haben, ich tu Dir nichts. Bleib ganz locker. Wir sind hier, um zu diskutieren“, sagte Claudio, als er bemerkte dass Sebbi ihm nicht traute.
„Keine langen Debatten mehr, fünf Millionen ist ein guter Preis und damit ist die Sache erledigt“, sagte Sebbi nochmals.
Auch Claudio sprach nun etwas lauter: „Nichts gibt es. Verstanden. Marco verdient schon genug an mir.“
Marco, der bis zu diesem Zeitpunkt etwas abseits stand, trat einen Schritt vor.
"Ich habe mit der ganzen Sache nichts zu tun. Hast Du mich verstanden?. Ich habe Dich niemals unter Druck gesetzt. Du kamst zu mir und nicht ich zu Dir. Und eines sage ich Dir, solltest Du meinen Namen irgendwo nennen, ti sparu ne jammi (schieße ich Dir in die Beine). Hast Du mich verstanden?“



 

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